Jahr für Jahr scheinen die Unterschiede zwischen den Anbietern marginal. Doch über Jahrzehnte hinweg addieren sie sich zu einem echten Mehrwert beim Ruhestandsvermögen“, sagt Joachim Schuller, Health & Benefits-Experte bei der GrECo Gruppe, mit Blick auf die Ergebnisse ihrer aktuellen Marktstudie. Was kurzfristig noch wenig wirke, könne sich über die Jahre zum echten Gamechanger entwickeln: „Selbst moderate Unterschiede in der Performance wirken sich langfristig auf die Endperformance aus – und damit direkt darauf, wie viel Kapital den Beschäftigten bei Pensionsantritt tatsächlich zur Verfügung steht“, ergänzt der Autor der Studie. Demnach erzielten Österreichs betriebliche Vorsorgekassen trotz großer Unsicherheiten und Kursschwankungen an den Kapitalmärkten 2025 wie in den beiden Vorjahren eine „solide“ Performance: Sie liegt zwischen 1,62 Prozent (BONUS ex fair-finance) und 4,78 Prozent (VBV).
„Für ein System mit Kapitalgarantie bedeutet dies ein kontinuierliches, risikobewusstes Wachstum, bei begrenzten, aber stabilen Ertragspotenzialen“, schreibt der Studienautor. Der aktuelle Performance-Sieger ist mit einem Anteil von 34,2 Prozent auch klarer Marktführer in diesem Segment – gefolgt von der Valida (24,2 Prozent) und der BONUS (13,3 Prozent), jeweils bezogen auf die Assets under Management per Jahresende 2025 (siehe Grafik auf der nächsten Seite). Mit der Integration der fair-finance in die BONUS Vorsorgekasse AG vollzog sich zudem die wichtigste strukturelle Veränderung des vergangenen Jahres. Dadurch reduzierte sich die Zahl der Anbieter am österreichischen Markt auf sieben, resümiert die Studie, was aber ohne spürbare weiterführende Auswirkungen für Betriebe oder Anwartschaftsberechtigte geblieben sei.
In Sachen Digitalisierung verweist die Studie auf optimierte Kundenportale mit ID Austria Login, transparente Kostenübersichten und digitale Auszahlungsprozesse, die mittlerweile zum Standard gehören. Verbesserungen betrafen vor allem Detailoptimierungen in der Nutzerführung, z. B. hinsichtlich Barrierefreiheit, zusätzlicher Sprachen sowie Datenaufbereitung. „Kein Technologiesprung, aber eine spürbare Reifeentwicklung“, fasst Schuller zusammen.
Bei der Veranlagung blieben die Leistungsunterschiede zwischen den Anbietern auch im Untersuchungsjahr sichtbar. Während einige Vorsorgekassen mit ihren Ergebnissen erneut die Inflationsrate schlagen konnten, erreichten andere dieses Niveau (knapp) nicht. Hierzulande lag die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt im vergangenen Jahr bei 3,6 Prozent und 2024 bei 2,9 Prozent. Das bedeutet laut Studie, dass 2024 alle Anbieter ein reales Plus erzielten, 2025 aber lediglich die APK und die VBV.
„Im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben investieren wir neben Anleihen, Darlehen und Aktien auch in die Private-Markets-Anlageklassen, die wir seit einigen Jahren sukzessive aufbauen und die seitdem, trotz regulatorisch bedingter geringer Gewichtung, einen wichtigen Performancebeitrag geliefert haben“, nennt Andreas Zakostelsky, Generaldirektor der VBV-Gruppe und CEO der VBV-Vorsorgekasse einen wichtigen Grund des Veranlagungserfolges. Laut Studie war der Anteil an Alternativen Investments mit 8,4 Prozent größer als bei jedem Mitbewerber (siehe Grafik).
Zudem arbeite die VBV laufend an einer weiteren Verbesserung der im Einsatz befindlichen Veranlagungsprodukte, da neben einer guten Anlagestrategie auch die konkrete Umsetzung eine wichtige Rolle spiele. Deshalb werde die Gebührenstruktur der Veranlagungsprodukte regelmäßig auf ihre Adäquanz überprüft. „Unsere Vorgangsweise hat sich durchaus bewährt, da die VBV-Vorsorgekasse die beste langfristige Performance aller österreichischen Vorsorgekassen aufweist und es uns in den meisten Jahren seit Start der VBV-Vorsorgekasse auch gelungen ist, ein Jahresergebnis oberhalb der Inflationsrate zu erreichen“, äußert sich Zakostelsky zufrieden. Dabei klammert er ausdrücklich das Ausnahmejahr 2022 aus, in dem insbesondere die Energiepreise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine massiv angezogen und die Verbraucherpreise auf durchschnittlich 8,6 Prozent gestiegen waren. Solche Vorgaben konnten die Anbieter allesamt nicht erfüllen, zumal die Aktien- und Anleihemärkte seinerzeit deutlich eingebrochen waren.
Kosten im Blick
Ebenso steht bei der Valida eine „konsequente Kostenreduktion“ auf der Agenda, auch unter verstärktem Einsatz passiver Strategien. „Durch den Fokus auf kosteneffiziente Instrumente und eine marktnahe Umsetzung wird der Tracking Error zur langfristigen Strategie reduziert und eine effiziente Partizipation an den Kapitalmärkten ermöglicht“, sagt Martin Sardelic, Vorstandsvorsitzender der Valida Vorsorge Management. Zentrale Schwerpunktmaßnahmen, um ein Jahresergebnis oberhalb der Inflationsrate zu erreichen, sind laut Sardelic eine breite Diversifikation mit Schwerpunkt auf festverzinsliche Wertpapiere sowie gezielte Beimischungen von Aktien und weiteren Ertragsquellen zur Stabilisierung und Renditeoptimierung.
Größtmögliche Wertstabilität unter voller Ausnutzung der Ertragspotenziale nennt die BONUS als primäres Veranlagungsziel. Demnach zielt die Anlagestrategie darauf ab, robuste, wiederkehrend positive Erträge zu erwirtschaften. „Dies vor dem Hintergrund, dass auch bei durchaus stattfindenden Auszahlungswünschen seitens der Anwartschaftsberechtigten die in der Vergangenheit erwirtschafteten Erträge entsprechend abschmelzen könnten“, präzisiert Claudio Gligo, Head of Asset Management bei dem Anbieter und verweist beispielhaft auf die durch hohe Aktienquoten entstehende Schwankungsanfälligkeit des Portfolios.
Um aufgelaufene Gewinne möglichst zu schützen, wendet man eine duale Strategie an: „Durch den Einsatz stabilisierender Portfoliobestandteile wie zum Beispiel Anleihen in Euro inkl. eines hohen „Held-to-Maturity“-Anteils mit einem fixen, planbaren Ertrag oder auch Immobilien sollen stetige, wenig volatile Wertzuwächse erzielt werden“, erläutert Gligo. In der Marktstudie spiegelt sich dies in einem Anteil von Darlehen und den genannter Anleihen in Höhe von 46,5 Prozent wider, der mit Abstand größte Wert im Kreis der Mitbewerber. Investments in Aktien und Infrastruktur wie erneuerbare Energien, Wandelanleihen und andere Anlageklassen dienen hingegen als zusätzliche Ertragsbringer. „Mit dieser Strategie ist es uns möglich, im Interesse der Anwartschaftsberechtigten langfristig stabile Erträge zu generieren und starke Schwankungen der Wertentwicklungen zu vermeiden“, betont der Veranlagungsexperte.
Die Studienergebnisse und die Ausführungen der drei von FONDS exklusiv im Rahmen einer Stichprobe befragten marktführenden Gesellschaften offenbaren Unterschiede in der Anlagestrategie und in den Veranlagungsergebnissen. Das ist auch deshalb besonders wichtig, weil die betrieblichen Vorsorgekassen ab nächstem Jahr eine stärkere Rolle innerhalb der zweiten Säule einnehmen dürften (siehe Kommentar). „Die Reformmaßnahmen werden die Abfertigung Neu als Durchführungsweg der betrieblichen Vorsorge stark aufwerten“, sagt der Valida-Chef.
Dabei hebt der Generaldirektor der VBV-Gruppe die vorgesehene Möglichkeit hervor, dass das angesparte Kapital aus der Abfertigung Neu künftig in eine Pensionskasse übertragen und daraus eine lebenslange Zusatzpension generiert werden kann. Zakostelsky: „Damit wird erstmals ein durchgängiger Vorsorgepfad von der Erwerbsphase bis in die Pension geschaffen.“
„Als Obligatorium eingerichtet und mit dem Hauptverband bzw. den Gesundheitskassen als Drehscheibe für Beitragsinkasso, Ermittlung der Anspruchsgrundlagen etc. ausgestattet, ist die Abfertigung Neu sehr effizient und hoch digital. Alle Verwaltungsprozesse sind automatisiert, wo der Mensch nur noch eine Überwachungsfunktion einnimmt“, erläutert Georg Daurer, Vorstandsmitglied bei der BONUS Vorsorgekasse AG und der BONUS Pensionskasse AG. Mit der vorliegenden Gesetzesnovelle werde es nun auch möglich, eine moderne Veranlagung zu starten.
„Wir sehen darin einen echten Systemschritt. Österreich kann sich damit stärker in Richtung jener Länder entwickeln, die bei der Altersvorsorge seit Jahren erfolgreich auf ein ausgewogenes Zusammenspiel von staatlicher, betrieblicher und privater Vorsorge setzen“, resümiert der CEO der VBV-Vorsorgekasse und stellt klar: „Die aktuelle Reform ist daher ein wichtiger Meilenstein.“ Alle Anwartschaftsberechtigten der Abfertigung Neu können durch die steuerfreie Übertragung in eine Pensionskasse eine lebenslängliche Pension in Anspruch nehmen, führt Daurer aus. Für ihn bleiben die Pensionskassen damit weiterhin die zentrale Stelle für die Auszahlung von lebenslänglichen Pensionen.
„Zusätzlich kann der Arbeitgeber weitere freiwillige Beiträge in eine Pensionskasse bezahlen“, ergänzt der BONUS-Vorstand und betont: „Es ist nur logisch, dass diese beiden Systeme – Pensionskassen und Abfertigungskassen – zusammenwachsen und in einer Gesellschaft aufgehen.“ Mit Blick auf die Wirtschaft hebt der GrECo-Experte hervor: „Unternehmen können durch ihre Wahl der Vorsorgekasse unmittelbar zur Stärkung des künftigen finanziellen Rückhalts ihrer Beschäftigten beitragen.“

