Die US-Notenbank hat den Leitzins auf ihrer September-Sitzung erwartungsgemäß um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis vier Prozent angehoben. Für Bastian Freitag, Head of Fixed Income bei Rothschild & Co Wealth Management Deutschland, lag die eigentliche Botschaft der Sitzung weniger im Zinsschritt selbst als im geschlossenen und vergleichsweise hawkishen Auftritt der Federal Reserve, wie er in seinem Kommentar betont.
„Die Zinserhöhung war erwartet. Entscheidend ist, dass die Fed sehr deutlich signalisiert hat, dass die Straffung noch nicht abgeschlossen sein dürfte“, sagt Freitag. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen und unterstreiche den breiten Konsens innerhalb des FOMC, dass die Inflation weiterhin ein relevantes Risiko darstelle. Die Märkte interpretierten die Sitzung klar hawkish: Der US-Dollar legte zu, die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen um sechs Basispunkte, und weitere Zinserhöhungen wurden eingepreist. Gleichzeitig blieben die Renditen dreißigjähriger Treasuries weitgehend stabil. „Dass die Renditen am sehr langen Ende kaum reagiert haben, spricht dafür, dass die Märkte die Glaubwürdigkeit der Fed im Kampf gegen die Inflation eher gestärkt sehen“, so Freitag.
INFLATION BLEIBT HARTNÄCKIG
Die Fed sieht die US-Wirtschaft weiterhin in robuster Verfassung. Wachstum, Arbeitsmarkt und Investitionen entwickeln sich stärker als erwartet. Gleichzeitig reicht die zuletzt beobachtete Disinflation aus Sicht der Notenbank nicht aus, um von einer überzeugenden Entspannung beim zugrunde liegenden Inflationsdruck zu sprechen. „Die Voraussetzungen für Vertrauen in eine nachhaltige Rückkehr zum Zwei-Prozent-Ziel sind aus Sicht der Fed bislang nicht erfüllt“, sagt Freitag. Neben der robusten Nachfrage sehe die Notenbank auch in geopolitischen Risiken und möglichen Zweitrundeneffekten weiterhin Inflationsrisiken.
Auch die aktualisierten Projektionen zeichnen ein hawkischeres Bild als noch im Juni. Für 2026 erwartet die Fed nun ein Wachstum von 2,3 Prozent nach zuvor 2,2 Prozent, für 2027 von 2,4 statt 2,3 Prozent. Die Arbeitslosenquote wird für beide Jahre mit 4,1 Prozent statt 4,3 Prozent veranschlagt. Gleichzeitig wurde die Prognose für die Kerninflation gemessen am Core-PCE-Index für 2026 auf 3,4 Prozent angehoben. „Die Kombination aus stärkerem Wachstum, niedrigerer Arbeitslosigkeit und höherer Inflation ergibt ein deutlich hawkischeres Bild als noch vor drei Monaten“, sagt Freitag.
WEITERE ZINSANHEBUNGEN
Auch die sogenannten Dots sprechen für einen weiterhin restriktiven Kurs: Vier FOMC-Mitglieder erwarten bis Jahresende noch zwei weitere Zinserhöhungen, zwölf rechnen mit einem weiteren Schritt, lediglich zwei sehen die Zinsen unverändert. Für 2027 signalisieren die Projektionen ein unverändertes Zinsniveau.
Auch die Märkte behandeln den Schritt nicht als einmalige Maßnahme, sondern zunehmend als Beginn eines kleinen Straffungszyklus. „Die Entscheidung war auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. Nach Monaten hawkischer Kommunikation wollte Warsh zeigen, dass die Fed bereit ist zu handeln. Die eigentliche Überraschung war daher nicht die Zinserhöhung selbst, sondern der geschlossene und hawkishe Auftritt der Fed“, sagt Freitag. Sein Fazit: „Die Inflationsbekämpfung ist noch nicht abgeschlossen. Weitere Zinserhöhungen bleiben aus heutiger Sicht das wahrscheinlichste Szenario.“

