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Kerosin: strukturelle Mechanismen

Mai 2026
Volatile Kerosinbestände in Europa sind ein Warnsignal dafür, wie ein anhaltender Schock in der Straße von Hormus Lieferketten insgesamt unter Druck setzen kann, hält man bei der DWS fest.
DWS
Darwei Kung, DWS

An der Straße von Hormus ist weiterhin kein Ende der Blockade absehbar. Das dürfte sich rasch bemerkbar machen – auch, aber nicht nur, bei einzelnen Treibstoffen, allen voran Kerosin – und damit die wirtschaftlichen Verwundbarkeiten verschiedener Regionen sichtbar machen.

Beim Kerosin sind die Mechanismen strukturell. Es lässt sich nicht kurzfristig beliebig produzieren, sondern konkurriert mit Diesel und anderen Mitteldestillaten um Raffineriekapazitäten. Europa verfügt zudem über geringere Puffer – bedingt durch höhere Importabhängigkeit sowie engere logistische und regulatorische Einschränkungen. Flugzeuge können Treibstoffe in begrenztem Umfang „mitnehmen“; mit entsprechender Planung kann Kerosin natürlich auch verschifft werden. Doch das verschiebt Angebot lediglich, es schafft kein neues.

Die Golfregion ist dabei doppelt relevant: nicht nur als energiepolitischer Engpass, sondern auch als Rückgrat der interkontinentalen Luftanbindung über Drehkreuze wie Dubai, Doha oder Abu Dhabi – insbesondere für zeitkritische Luftfracht zwischen Europa und Asien. Längere Routen erhöhen Kosten und reduzieren Puffer. Die ersten Effekte treffen sensible Lieferketten und Passagierströme – mit möglichen Folgewirkungen für industrielle Prozesse. So könnten Kerosinverknappungen Vorboten weiterreichender Verwundbarkeiten in Handel, Produktion und Preissetzungsmacht sein.

Wie Darwei Kung, Co‑Head of Commodities & Natural Resource Equities bei der DWS, feststellt: „Anhaltende logistische Störungen verändern die Marktwahrnehmung: Was zunächst als temporär gilt, wird zunehmend strukturell eingepreist.“ Kerosinmärkte testen damit eine vertraute Annahme – dass frühe Widerstandsfähigkeit automatisch dauerhafte Stabilität bedeutet. In Airplane! übernimmt am Ende ein traumatisierter, ehemaliger Kampfpilot notgedrungen wieder das Steuer. In heutigen Treibstoffmärkten sind vergleichbar glückliche Enden deutlich schwerer zu finden.