Die KI-Story hält die Aktienkurse derzeit oben. Doch es geht nicht nur um die Zahlen der großen Tech-Giganten, sondern auch um die geldpolitischen Aussichten. Die Fed und die EZB werden ihre Zinsentscheide bekanntgeben, Änderungen am Zinsniveau werden jedoch nicht erwartet. Entscheidend werden die Pressekonferenzen sein, konstatiert Maximilian Wienke, Marktanalyst beim Online-Broker eToro. Dann dürfte sich zeigen, wie die Notenbanken die Auswirkungen der hohen Ölpreise einschätzen.
Denn der weiterhin ungelöste Iran-Konflikt und die steigenden Energiepreise haben die Zinsstory verändert. Eine Zinserhöhung der EZB im Juni gilt zunehmend als wahrscheinliches Szenario, um die Inflation zu kontrollieren. Für den DAX wäre ein solcher Schritt aus drei Gründen schwieriger zu verkraften als für die US-Märkte, nämlich wegen des fehlenden KI-Puffers, des hohen Industrieanteils und einer möglichen Euro-Stärke.
Die Fed dürfte die Zinsen vorerst länger unverändert lassen, allerdings auf einem insgesamt höheren Niveau als in Europa. Eine erste Senkung wird derzeit erst für Ende 2027 eingepreist. Die Notenbanken werden versuchen, keine Panik auszulösen, dürften angesichts der geopolitischen Unsicherheit aber besonders auf Risiken hinweisen. Je länger der Konflikt anhält, desto schwieriger wird der Balanceakt, Inflation zu bekämpfen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen.
Hinzu kommt ein personeller Wechsel, Mitte Mai übernimmt Kevin Warsh den Vorsitz der Fed. Er gilt als deutlich Trump-freundlicher als Jerome Powell. Doch der Wunsch nach niedrigeren Zinsen könnte an der hartnäckigen Inflation scheitern.

